Faust im Umbruch

Vor 14 Tagen warf der umtriebige Blogger, Winzer, Hochschuldozent und Entertainer (ich hoffe, dass ich nichts vergessen habe …) Dirk Würtz über Facebook und seinen Blog den Vorschlag in die Runde, geballt über Oko-Weine zu bloggen.

EcovinEs geht ausschließlich um Mitgliedsbetriebe von EcoVin. Es gibt von 20 Weingütern jeweils ein Weinpaket mit einem Sortiment ihrer Weine und Infos. Das Ganze soll von Euch verbloggt werden.

Da ich dem Wein aus ökologischem Anbau, wie es ja ganz offiziell noch heißt, prinzipiell sehr positiv gegenüber eingestellt bin und immer wieder gerne etwas Neues verkoste, habe ich mich spontan zum mitmachen entschlossen.  So ereignete es sich, dass pünktlich zur närrischen Zeit im Rheinland, ein 3er Paket mit frisch abgefüllten Weinen aus dem Rheingau samt einer kurzen, handgeschriebenen Karte von Frank & Tina Faust bei mir eintrafen.

Vom Weingut Faust hatte ich bis dato noch nichts gehört oder gelesen. Die Webseite wird derzeit aktualisiert ist dort zu lesen, aber zumindest sind einige grundsätzlichen Infos zu finden. Das 11,5 ha Weingut wird von Vater Karl-Werner und Sohn Frank Faust nebst Familie betrieben. Während der Senior sich schwerpunktmäßig um die Administration und den Verkauf kümmert, zeichnet der Junior für den Weinan- und ausbau verantwortlich. Somit gehe ich davon aus, dass er auch die treibende Kraft hinter der Umstellung auf ökologische Landwirtschaft ist, welche im Sommer 2008 in Angriff genommen wurde.

2011 Martinsthaler Riesling trocken

In der Nase wirkt der Wein derzeit deutlich von Zitrusaromen geprägt. Mit der Zeit kommen mineralische Noten hinzu, aber insgesamt wirkt der Wein – vielleicht auch wegen der erst vor 10 Tagen stattgefundenen Abfüllung – auf mich noch etwas verstreut.

Am Gaumen eine knackige Säure gepaart mit Zitrusnoten, die mich an rosa Grapefruit erinnern. Grüner Apfel, der so richtig laut knackt wenn man reinbeisst, ergänzen das Bild. Durch und durch knackig. So kann ich auch gut verstehen, warum auf dem Rückentikett steht „Kernig trockener Riesling mit frischer Frucht“, wobei derzeit das kernige (noch) die Überhand hat.

Bei der Nachverkostung am Folgetag wirkt die Nase schon deutlich aufgeräumter. Weniger Zitrus, mehr gelber und roter Apfel. Auch am Gaumen wirkt der Wein nunmehr deutlich harmonischer. Es bleibt die rassige Säure, aber die Frucht ist nun deutlich wahrnehmbar.

Diesen Wein haben Frank und Tina Faust in ihrem anschreiben als Ihren Basiswein bezeichnet und geben als Endverbraucherpreis schlanke 4,80 € an. Mit seinen 11% Alkohol kann ich mir vorstellen, dass er im Sommer sicherlich ein Vergnügen sein kann. Wenn sich der Wein wirklich zusammengefunden hat.

Faust Riesling
Die verkosteten Rieslinge von Faust

2011 „Flagrantia“ Riesling Spätlese feinherb

Zunächst ist auch bei der Spätlese das Bukett sehr verhalten. Mit der Zeit öffnet sich der Wein und es entwickeln sich Aromen von Quitte, reifem Pfirsich und leicht kräutrige Noten. Ein Anflug von Honig.

Am Gaumen wiederum eine straffe Säure, die jedoch von der Fruchtsüße aufgefangen wird. Keine Wuchtbrumme, sondern eher ein eleganter Vertreter seiner Zunft.

Am Folgetag ist die Nase von mineralischen Noten und reifem Pfirsich geprägt. Die Fruchtsüße kommt etwas mehr hervor, wird aber von der straffen Säure gut verpackt. Saftig und weiterhin eine elegante Erscheinung. Könnte ich mich glatt dran gewöhnen, vor allem auch weil der Wein mit 11,5% einen angenehm niedrigen Alkoholgrad aufweist.

Dieser Wein stammt aus dem Premiumsegment des Sortiments und soll trotzdem nur 7,20 € für den Endverbraucher kosten. Wovon lebt Ihr, liebe Fausts ??? Meines Erachtens ist der Wein mehr wert.

2011 Rheingau Weißburgunder feinherb

Faust Weissburgunder
Sorry. Das Etikett geht fast komplett um die Flasche herum. Das kriege ich nicht alles zusammen auf ein Foto ...

In der Nase Anfangs wieder sehr verhalten. Später dann ein dezenter Anklang von Brioche.

Am Gaumen ist die Fruchtsüße das zunächst prägende Element, gefolgt von einem leicht herben Eindruck. An Pampelmuse muss ich dabei denken.

Der Weißburgunder präsentiert sich am zweiten Tag des Verkostens immer noch recht verschlossen. Die Nase wirkt auf mich fast unnahbar. Am Gaumen bleibt die Restsüße das prägende Element. Was mir dabei fehlt, ist Frucht oder Körper, um die Restsüße zu verpacken. Beim Riesling klappt es.Gerade aufgrund des jungen, frischen Etiketts hatte ich mich auf einen frischen (trockenen) Wein gefreut. Für mich passt die Restsüße hier nicht.

Der Weißburgunder ist dem mittleren Segment zugeordnet und wird für nur 5,10 € dem Konsumenten ab Hof angeboten.


Die Nachverkostung einen Tag später hat (wieder einmal) gezeigt, dass wir Weine oft zu früh, zu jung trinken. Insgesamt werde ich das Gefühl nicht los, dass gerade Weine aus ökologischem Anbau ein bisschen mehr Zeit brauchen – wogegen nichts einzuwenden ist. Man muss sich nur drauf einstellen. Eine Entschleunigung nicht nur im Verbrauch des Bodens ?!?

Insgesamt habe ich die Weine im Umbruch erlebt. Ein Weingut im Umbruch. Generationswechsel. Umstellung auf Öko-Weinbau. Wie sehr sich das Weingut im Umbruch befindet, ist für mich auch an den Flaschen und Etiketten zu sehen: Drei Weine, drei Flaschentypen. Eine klassische Schlegelflasche, eine Rheingauer Flasche und eine klare Bordeauxflasche. Drei Weine, zwei ganz unterschiedliche Etikettenlinien.

Aber es gibt aber auch Einheitliches. Alle Flaschen sind mit Schraubverschluss versehen und der Familienname „Faust“ wird zusammen mit Piktogammen von einer Traube, einem Schneckengehäuse, einem Schmetterling und einem Rebblatt, deutlich in den Vordergrund gestellt, immer begleitet von der Unterschrift „Spitzenweine aus dem Herzen des Rheingaus“. Ein gesundes Selbstvertrauen.

Ich werde die Weine auf jeden Fall im Auge behalten und die Familie Faust auf ihrem Weingut einmal persönlich besuchen. Um mehr zu erfahren und vor allem, um die Weine nach etwas mehr Reifezeit nachzuverkosten.


Da die Gesamt-Aktion 20 Verkostungspakete umfasste, werde ich hier auch die anderen Posts zu verlinken.

  • Zeit für Biowein – Dirk Würtz fasst die Aktion zusammen und verlinkt alle dazugehörigen Beiträge
  • Schiller-Wine – Dr. Christian G.E. Schiller schreibt in Englisch allgemein über die Aktion sowie die unterschiedlichen Bio-Siegel und hat drei Weine vom Weingut Hubertushof, Mosel verkostet.
  • Alice im kulinarischen Wunderland – Alice Langhammer schreibt über das Weingut Hirschhof
  • kulinarischer Salon – Angelika Deutsch schreibt über das Weingut Andreas Hahn
  • BACcantus – Stefan Schwytz lässt sich über drei Nahe-Weine vom Weingut Georg Forster aus
  • Der Blind tasting club berichtet über Riesling, Spätburgunder und einen PiWi vom Weingut Schönhals
  • Arthurs Tochter Kocht – Astrid, also Arthurs Tochter, schreibt trotz Fastens über das Weingut Gustavshof
  • Weinding – Frank schreibt über das Weingut zur Römerkelter von Timo Dienhardt
  • Der Weinbastard – Huub Dykhuizen nimmt sich das Wein- und Sektgut Hothum vor
  • Newwineaddicts – die Kollegen aus München schreiben über das Weinhaus Zähringer
  • Noch’n Wein Blog – Axel Finger über Castel Peter
  • La Gazzetta del Vino – Der Direttore gibt sich die Ehre und schreibt über Weine vom Weingut Brüder Becker
  • my wine portal hat das Weingut Zähringer im Visier
  • Hauptsache Wein! beschäftigt sich mit dem Weingut Frank Brohl von der Mosel
  • Vinum Blog – Carsten Henn zollt Weinen vom Weingut Gallushof Aufmerksamkeit
  • Smooth Breeze 7’s – die Münchner „Foodfetischista“ (laut eigener Aussage) verkostet Weine vom Weingut Neumer
  • 25cl – Thomas Lippert beschreibt drei Weine vom Weingut Stutz so, wie er es am liebsten mag: in Kombination mit Essen
  • weinverkostungen.de – Thomas Günther nimmt Weine vom Kaiserstühler Weingut Abril unter die Lupe

1 Gedanke zu „Faust im Umbruch“

  1. Animiert durch die IPhone-App für das Rheingauer Weinfest in Wiesbaden hab ich Faust gestern abend dort besucht. Wir haben den 2012er Martinsthaler Wildsau Riesling extra brut Sekt sowie die beiden Rieslinge „2012 Alpha“ und „2011 Origo“ probiert. Der Sekt ist schon richtig Klasse, sehr fein, cremig, gute Balance, trinkig, kostet 9,80 €. Der Riesling Alpha war dann für mich der Hammer; extrem druckvoll am Gaumen, kraftvoll, auch elegant, glasklar, ungemein dicht und harmonisch, kostet ebenfalls gerademal 8,40 €, schmeckt aber deutlich nach mehr. Der „Origo“, im Holzfass gereift stammt aus alten Reben. Man merkte dem Wein noch das Holz an, aber dahinter war ebenfalls eine klare Linie erkennbar. Mit 19,80 € allerdings dann in ener anderen Preisdimension. Frank sagte mir gestern, das das Lumen am Dernschen Gelände einen Teil seiner Weine führt, ansonsten würd ich mal während der GG-Vorprobe vorbeischauen, lohnt sich. Ich werde das weiter beobachten. Gruß

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